[Filmkritik] Global Destruction

“Global Destruction” ist ein Kurzfilm, der vor kurzem im Filmforum meines Vertrauens auftauchte und laut Autor den Auftakt einer großen YouTube Serie darstellt. Bereits die Idee, den Zuschauer direkt ins Geschehen zu katapultieren, anstatt ihn mit einer langweiligen Einleitungssequenz oder hässlichen Totalen zu qäulen, sogar gänzlich darauf zu verzichten auch nur ansatzweise zu vermitteln, wo und warum wir uns dort befinden, ist so simpel wie genial. Das Setting ist dementsprechend zwar äußerst überraschend, aber dennoch glaubhaft.

Die Kamera wechselt spielerisch zwischen experimental und klassisch und zitiert dabei in gekonnter Art und Weise hochkarätige Filmperlen wie “Transformers”, “Girls United” und “Stop, oder meine Mami schiesst”. Das regelmässige Absacken der Framerate und die weise Entscheidung, auf eine sowieso maßlos überbewertete Farbkorrektur zu verzichten, erinnert zeitweise stark an das dänische Dogma-Prinzip und verhilft dem Film so zu einem ganz und gar einzigartigen Filmlook.
So ist es nicht verwunderlich, dass das eindrucksvolle Soundsetting und der Filmschnitt den selben Weg einschlägt. “Global Destruction” verzichtet auf übertriebene Musik, realistische Hintergrundgeräusche und das sanfte Überblenden von Tonspuren. So wie der Film, so ist auch der Schnitt rau, hart und gnadenlos konsequent. Besonders hervorzuheben ist besonders der Einsatz von Soundeffekten aus Counter-Strike, die aufgrund ihrer enormen Bekanntheit alles andere als langweilig, ausgelutscht oder absolut ungeeignet sind.

Die Wahl der Schauspieler gefällt durch die Bank weg. Das beeindruckende Verständnis für taktisches Vorgehen und die gefühlvolle Wiedergabe der Dialoge, lässt nicht nur eine mehrmonatige Vorbereitungszeit vermuten, sondern zerschmolz auch zu einer durch und durch atemberaubenden schauspielerischen Perfomance, wie man sie in der Amateurszene leider nur viel zu selten erlebt – Das ist Method-Acting par excellence! Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Rolle des blonden, jungen Mannes, der mit seinen witzigen Einlagen das ansonsten sehr düstere Thema der Gewalt gekonnt und niemals gezwungen gehörig auflockert. Die Darstellung seines Partners, offenbar ein verbitterter Jäger, der in seinem langen Leben schon zuviel Schmerz und Leid gesehen haben muss, ist zwar gut, wirkt aber im Gesamtbild und spätestens beim Auftritt des diabolisch lachendem Terroristen auf dem Sofa, etwas unsicher und holprig.

“Global Destruction” ist durch seine außergewöhnliche Machart und der intelligenten Handlung zwar ein Projekt mit guten Ambitionen auf eine waschechten Kultserie, aufgrund seiner Vielschichtigkeit aber alles andere als leichte Kost und typisches Mainstream-Kino. Für Freunde von “Scharf wie Chili”, “Abschlussklasse” und “Countdown – Die Jagd beginnt” gilt jedoch: Unbedingt zugreifen!

4 von 5 Smarties


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