Steve Jobs ist tot..
Es ist 6:12 Uhr, Twitter ist am durchdrehen und Apples Startseite war vermutlich noch nie so wortkarg und aufrichtig, wie zu diesem Zeitpunkt. Steve Jobs ist tot.
Es sind schon viele Menschen gestorben, die ich im Laufe meines Lebens als inspirierend einstufte und die mich in meiner Denkweise nachhaltig prägten. Steve Jobs zählte zweifelsohne dazu. Ich bin kein wirklicher “Apple”-Fanboy. Ich besitze kein iPhone, kein iPad und einen Apple Store habe ich noch nie von Innen gesehen. Zugebeben, diese Zeilen tippe ich auf einem Mac, wenn ich Nachts durch die Straßen wandere, begleitet mich meistens mein alter iPod und wenn ich das Geld hätte, würde ich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu einem iPhone wechseln. Ich sehe die Geräte jedoch nicht als Statussymbol oder Penisverlängerung. Etwas, das man heute leider von immer weniger Apple-Nutzern sagen kann. Ich bin wie viele andere von dem Gedanken überzeugt, der hinter dem Klavierlack und dem leuchtendem Apfellogo steckt. Ein Gedanke, den Steve Jobs erst mühsam zu Apple zurückführen musste, nachdem er 1996 nach 11 Jahren Abstinenz zum Unternehmen zurückkehrte: Innovation.
Die Arbeit wird einen grossen Teil eures Lebens einnehmen, und ihr werdet nur gute Arbeit leisten können, wenn ihr eure Arbeit liebt. Also sucht, bis ihr sie findet! Lasst nie nach!
Vor seiner Rückkehr hatte sich die Computerwelt festgefahren. Es gab jede Menge Software, die kaum einer bedienen konnte, und Hardware, die nur begrenzt funktionierte. Das alles zusammen verpackt in einem grauen, rechteckigen Kasten. Eine Entwicklung, der Jobs aufkeinen Fall folgen wollte. In nur zwei Jahren konzipierte er den iMac – Computer und Bildschirm in einem, verpackt in einem transparenten, farbigen und kugelartigen Gehäuse. Jobs wurde vor der Markteinführung belächelt, seine Kritiker prophezeiten ihm einen grandiosen Flopp. Doch er glaubte an seinem Traum..und behielt Recht. Der Computer, der mit dem Slogan “Sorry, no beige.” warb, eroberte schon bald den Konsumentenmarkt. Warum? Weil er die Dinge vereinfachte und neue Standards setzte. Weg vom klobbigen, komplexen wirrwarr, hin zu einer perfekten Symbiose aus Design, Soft- und Hardware. Ein Gerät für alles. Ohne externe Peripherie. Eine Firmenpolitik, die bis heute anhält – “Think different”. Drei Jahre später kam der iPod, dann das iPhone. Den Rest kennt ihr…
Apple steht für außergewöhnliches Design. Viele glauben, das sei schon alles, was wohl der Grund dafür sein dürfte, warum man auf jeder Party und jedem Einkaufsbummel mindestens ein Duzent Menschen trifft, die ihr iPhone stets in der Hand halten bzw. den ein oder anderen Anruf imitieren, damit es auch wirklich jeder gesehen hat. Eine Entwicklung, die mich wütend macht. Es ist nicht das Aussehen und der “Coolness”-Faktor. Es sind die unglaublich klugen Ideen, die die Geräte zu dem machen, was sie sind: Lebenserleichternde Alltagshelfer. Dass das viele nicht verstehen, beweist die aktuelle Aufregung über die Einführung des iPhone 4S, auf die mein Kollege Max von DirtyBlox in diesem Artikel näher eingeht. Es sind nicht die Bildschirme, Farben und Formen, die ein Gerät revolutionieren, sondern die Innovationen, die hinter dem ganzen Schnickschnack stecken. Und wer genau aufpasst wird merken, dass Jobs uns davon ein letztes Mal jede Menge geschenkt hat. Denn er wollte es immer anders machen als die anderen – und damit automatisch besser. Er war ein Rebel, Perfektionist und Nerd – ein Genie.
Steve Jobs dürfte glücklich gewesen sein, den kometenhaften Aufstieg seines Unternehmens überhaupt noch miterlebt zu haben. In seiner berühmtesten Rede auf einer Abschiedsfeier in Stanford 2005 erklärte er ein Jahr nach seiner Krebsdiagnose:
Lasst nicht zu, dass der Lärm fremder Meinungen eure eigene innere Stimme übertönt. Euer Leben ist begrenzt, also verschwendet es nicht damit, das Leben anderer zu leben. Und das Wichtigste: Folgt immer euerem Herzen und eurer Intuition. Die Beiden wissen irgendwie immer wohin ihr wollt.
Es ist fraglich, welchen Einfluss sein Tod auf die Weiterentwicklung von Apple haben wird. Auch wenn er sich in den letzten Monaten weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen hat, so wurden die wichtigsten Entscheidungen nach wie vor von ihm getroffen. Mit Tim Cook, der Vorgestern seinen Einstand auf der stark diskutierten Apple Konferenz “Let’s talk iPhone” gab, hat Jobs zumindest schonmal einen erfahrenen Nachfolger gefunden. Die gewaltige Lücke, die Jobs für mich persönlich vorallem als Mensch hinterlässt, wird aber auch er nicht schließen können.
Mich an meinen baldigen Tod zu erinnern, ist mir stets das wichtigste Hilfsmittel, die großen Entscheidungen des Lebens zu treffen.

Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 friedvoll im Kreise seiner Familie. Und damit einer der größten Visionäre unserer Zeit. Leb wohl, Nerdfreund…